Werden und Vergehen einer Demokratie

Frankreichs Dritte Republik in neun Porträts

 

Aus welcher Perspektive man sich der Geschichte eines Landes, einer Epoche oder eines besonderen Ereignisses auch nähern mag, man wird immer auf Persönlichkeiten treffen, die kraft großer Energien und taktischer Fähigkeiten ihrer Zeit den Stempel aufdrückten. Ohne damit der Huldigung „traditioneller“ Biographien das Wort zu reden, bleibt es dennoch bemerkenswert, dass man sich trotz des Wissens um die Vielzahl von Faktoren, welche die Geschichte beeinflussen, der Faszination der gestaltenden Persönlichkeit nur schwer entziehen kann. Diesem verführerischen Reiz waren auch die Autoren erlegen, die für ihren Gang durch die Geschichte der Dritten Französischen Republik die Nahaufnahme eines politisch Verantwortlichen als Ausgangspunkt wählten. Dabei spielten sie zu keinem Zeitpunkt mit dem Gedanken, dem Leser eine umfassende und detaillierte Biographie des Zeitgenossen anbieten zu wollen. Die Konzentration auf wenige Schlüsselereignisse sowie die Vorgabe einer überschaubaren Seitenanzahl verboten solche Überlegungen von Anbeginn.


In insgesamt neun Porträtskizzen zeichnen die Verfasser Leistungen, Wirkungen und Verantwortlichkeiten der Regierenden an bedeutenden Knotenpunkten französischer und europäischer Geschichte nach. Alle Studien stehen in ihrer formalen und inhaltlichen Gestaltung jeweils für sich, ergeben jedoch in der Gesamtschau eine informative und zusammenhängende Darstellung der Dritten Republik von ihrer schwierigen Geburt bis hin zu ihrem schmählichen Untergang. Die Auswahl der Akteure unterliegt dabei selbstredend einer gewissen Subjektivität des Betrachters. Auch mit anderen interessanten Gestalten hätte man die republikanischen Höhen und Tiefen, Möglichkeiten und Grenzen der Jahre von 1871/75 bis 1940 aufzeigen können. Gleichwohl glauben die Autoren mit ihrer Wahl wichtige Figuren gefunden zu haben, die das Interesse für die französische Geschichte wecken und zum Meinungsstreit herausfordern werden.
 

Der geneigte Leser wird bemerken, dass trotz aller Individualität der Agierenden die Verfasser bestrebt waren, eine gewisse Vergleichbarkeit der Beiträge herzustellen. Hierzu trägt neben der zeitlichen Abfolge die allen Beiträgen vorangestellte Kurzbiographie genauso bei wie das unterteilte Literaturverzeichnis, das ein weiteres und vertiefendes Studium ermöglichen soll. Den Abschluss des Bandes bilden eine Chronologie, die wichtige Daten der in den Kapiteln angesprochenen Ereignisse enthält, und eine Bibliographie zur Geschichte der Dritten Republik.

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